Der Kreislauf meines Lebens

Gern hätte ich mehr Zeit, um mich einfach einmal zurückzulehnen und das Leben etwas mehr zu genießen. Aber das geht nicht. Es gibt viel zu viele Dinge, die ich noch erledigen muss. Ich komme oft nicht einmal dazu, einen Text für meinen Blog zu schreiben. Und dabei ist das Schreiben eine meiner größten Leidenschaften – neben der Fotografie. Doch auf der Checkliste meines Lebens ist leider nur wenig Raum für Kreativität und für meine freie Entfaltung. Denn ich muss arbeiten, um meine Zukunft zu finanzieren und studieren, um eine Zukunft zu haben. Beides mache ich gleichzeitig. Eine Sieben-Tage-Woche ist niemals genug, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Und so rauscht die Zeit an mir vorbei und ich erreiche nur wenig. Ich genüge den Anforderungen nicht, jenen von meinem Umfeld, von der Gesellschaft und letztlich auch von mir selbst. Meistens schaffe ich es, mein eigenes Ich auszutricksen und mich nicht an die enorme Disparität zwischen Traum und Realität zu erinnern, aber manchmal, in leiseren Stunden, frage ich mich, warum ich das alles mache. Irgendwie weiß ich die Antwort schon. Ich mache es für mich, den Perfektionisten in mir, der möglichst das Beste aus seinem Leben machen möchte. Und dabei vergesse ich oftmals, überhaupt zu leben.

Kreislauf des LebensDie Gesellschaft ist davon überzeugt, dass sich junge Menschen zwischen zwanzig und dreißig Jahren den Weg für die Zukunft ebnen. Sie stellen die Weichen für das private und berufliche Glück. Wer aber kann wissen, ob ich in dreißig Jahren noch immer den Job liebe, den ich gerade ausübe? Und warum soll ich mich in meinem Alter schon entscheiden, wo ich mich niederlassen werde oder wie viele Kinder ich möchte? Der Druck von außen ist enorm, vielleicht noch schlimmer, als jener, den ich mir selbst mache. Und so füllt sich meine Checkliste mit immer weiteren Punkten: Masterabschluss, eventuell Doktortitel, eigene Wohnung, Umzug, fester Arbeitsvertrag, Hochzeit, Kinder (möglichst zwei), Geld sparen, Kochkurs, Road-Trip …

Nur wenige Punkte konnte ich bereits abhaken. Mir geht es da nicht anders, als tausend anderen jungen Menschen, die sich im täglichen Chaos selbst verlieren und sogar Burnouts erleiden. In Deutschland wird das mittlerweile als Volkskrankheit gehandelt. Kein Wunder also, dass ich oft nicht einmal zum Atmen komme. Oder das kleine Männchen in meinem Kopf mal wieder nachts einfach keine Ruhe gibt und mir den Schlaf raubt. Und dann stehe ich am nächsten Morgen auf, schwinge mich auf mein Fahrrad und fahre zur Arbeit – um mein Bestes zu geben. Tag ein, Tag aus. Das ist der Kreislauf meines Lebens.

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