REISEZIELE MAL ANDERS – TEIL II: Sibirien

Sibirien – Die unerforschte Wildness

Schier endlose Landschaften, unberührte Natur und eisige Wälder – Das ist Sibirien. Die Verlassenheit und Abgeschiedenheit dieser Großlandschaft haben früher wie heute viele Menschen fasziniert – und zugleich geängstigt. Denn mit Sibirien verbinden wir oft auch die Terrorpolitik der Sowjetunion. Es war für Stalin der perfekte Ort, um das Gulag aufzubauen und sich politischer Gefangener und Oppositioneller zu entledigen. In Kutschino können Touristen noch heute das Perm-36 besichtigen, ein Straflager, in dem u.a. Alexander Solschenizyn – Autor von “Der Archipel Gulag” und “Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch” – inhaftiert war. Wohnhütten und Strafzellen, Teile des Zauns und Möbel wurden erhalten oder originalgetreu restauriert. Es erinnert stark an eine KZ-Gedenkstätte, nur eben auf russischem Boden und ohne Krematorium. Der eiskalte Schauer wird einem garantiert über den Rücken laufen.

Perm 36
Perm-36

Perm-36 befindet sich unweit der Stadt Perm, die auch als Tor nach Sibirien bezeichnet wird. Es lohnt sich von dort aus mit der transsibirischen Eisenbahn weiter in den Norden, nach Wladiwostok oder gar nach Peking, zu reisen. Eine Fahrt mit der Transib ist ein wahres Erlebnis. Schon allein die Innenausstattung sprüht vor Nostalgie und Charme. Mit schweren Vorhängen behängte Fenster, Holzfußböden, rote Samtcouchen und vertäfelte Schlafräume erzeugen ein einzigartiges Flair, das die Herzen vieler Romantiker höher schlagen lässt. Ein Blick aus dem Fenster genügt wohl dann, um vollends ein Flitterwochen-Gefühl zu erzeugen; oder um sich wie in alten Zeiten zu fühlen. Die Landschaft mit dem Zug erkunden, das hat was! Man hat Zeit zum Nachdenken, Träumen, Genießen. Die Fahrkarten für die Transsibirische Eisenbahn sollte man frühzeitig buchen, da die Plätze begehrt und die Preise günstiger sind.

Jakutsk
Jakutsk im sibirischem Winter

Zu den größten Städten Sibiriens zählen Omsk, Wladiwostok, Nowosibirsk, Jakutsk und Irkutsk, die bestens für Städtetrips oder als Ausgangspunkt für Exkursionen geeignet sind. Irkutsk beispielsweise liegt direkt am Abfluss des Baikalsees, dem tiefsten Südwassersee der Welt, der mehr als 1,5 km tief ist. Robbentauchen, Wanderungen und Bärenbeobachtungen sind nur einige Aktivitäten, die rund um den See möglich sind. Ebenso kann man von Jakutsk aus eine Wandertour ins Ostsibirische Bergland unternehmen. Extreme Klimabedingungen sind hier nicht selten. Im Sommer steigt das Thermometer häufig über 30 Grad Celsius; im Winter sind Tiefstwerte von unter 40 Grad Celsius keine Seltenheit. Man sollte sich also gut überlegen, wann man seine Bergtour plant.

Sibirischer Tiger
Ein seltener Gast: der sibirische Tiger

Für Naturburschen und Abenteurer gibt es in Sibirien noch weitere spannende Sachen zu erleben: Man kann in einem der vielen Seen und Flüssen angeln gehen, Wildwasser-Rafting betreiben, Rentierschlitten fahren, jagen gehen oder gar bei einem indigenen Volk für einige Tage leben. Natürlich ist es auch möglich, als Rucksacktourist durch Sibirien zu reisen. Doch das kann sehr gefährlich werden, wenn man weder Russisch spricht noch die Gegend gut kennt. Schließlich leben gerade in den weniger besiedelten Gebieten viele wilde Tiere, etwa Bären und Elche, entlang des Amurs sogar Tiger und Leoparden, die gerne auf den einen oder anderen Snack warten. Eine Übernachtung unter freiem Himmel sollte also besser nur mit einem speziellen Reiseführer oder Ortskundigen unternommen werden

In der heutigen, hektischen Zeit ist Sibirien wie ein wahrer Ruhepol, eine Rückbesinnung auf Traditionen und Altbewährtes. Die Unberührtheit, das Raue macht diese Großlandschaft so mystisch und einzigartig. Und besonders spannend für jeden, der die etwas andere Reise sucht.

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