REISEZIELE MAL ANDERS – TEIL V: Georgien

Der wunderschöne Zwerg im Kaukasus

Gerade einmal so groß wie Bayern und nur 3,7 Millionen Einwohner – Das ist Georgien. Das südkaukasische Land ist den meisten Europäern wohl vor allem durch den Kaukasus-Konflikt und die Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Volksgruppen bekannt. Georgien, so scheint es, ist medial kaum präsent und wenn, dann steht es stets im Schatten des großen Nachbarn Russland. Der “Balkon Europas” – wie Einwohner das Land nennen – wird gern unterschätzt. Das ist sehr schade, denn Georgien bietet ein einzigartiges kulturelles Potpourri an Architektur, Speisen, Sitten und sogar Sprachen. Die Landessprache ist zwar Georgisch, es werden aber mehr als zwanzig weitere Sprachen im Land gesprochen, darunter Aserbaidschanisch, Armenisch und Russisch. Wenige Einwohner sprechen auch etwas (gebrochen) Deutsch und Englisch. Das kann natürlich zum Problem werden, wenn man sich als Individualreisender in das Land begibt und keinerlei regionale Sprachkenntnisse besitzt. Doch trotz dieser (kleinen) Barriere lohnt es sich definitiv, nach Georgien zu reisen. Denn die Schönheit und Vielfältigkeit dieses Landes sprechen für sich.

“Das Schwarze Meer hat eine Persönlichkeit, die sich mit einem Adjektiv wie ‘unberechenbar’ oder einem Ausdruck wie ‘freundlich gegenüber Fremden’ nicht fassen läßt” (Neal Ascherson)

Das Schwarze Meer ist ein wahrer Touristenmagnet – nicht nur in Bulgarien und der Türkei. Auch Georgien entwickelt sich immer mehr zu einer beliebten Baderegion. Das hat gleich mehrere Gründe: Die Preise sind niedrig, das Land ist bislang noch nicht vom Massentourismus bestimmt und man kann bis Ende Oktober im Meer baden – dem Kaukasus sei dank. Denn das Gebirge schützt vor all zu starken Temperaturabfällen und kalten Winden aus dem Norden. Eine der schönsten Schwarz-Meer-Städte ist wohl Batumi in der Region Adscharien. Die südgeorgische Hafenstadt befindet sich nahe der türkischen Grenze. Wer also nicht komplett seinen ganzen Urlaub in Georgien verbringen möchte, kann auch mal schnell in die Türkei reisen. Ein Visum ist dafür nicht nötig. Weitere bekannte Hafenstädte sind Poti und Sochumi – letzt genannte wird von einigen Staaten sogar als Hauptstadt der autonomen Region Abchasien anerkannt.

Tiflis 3Im Laufe der Zeit wurde die georgische Schwarz-Meer-Küste von verschiedensten (Seefahrer-)Kulturen heimgesucht. So siedelten sich bereits die Araber, Perser, Römer und Byzantiner in Georgien an – und sie hinterließen einige bedeutende Bauwerke und Relikte. Die Kleinstadt Mzcheta in Zentralgeorgien war beispielsweise bis ins sechste Jahrhundert hinein die Hauptstadt und zugleich das religiöse Zentrum des Landes. Noch heute kann man zahlreiche Kulturdenkmäler, wie die Swetizchoweli-Kathedrale und die Dshwari-Kirche, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, besuchen. Von Mzcheta aus kann man in etwa 20 Minuten über die Georgische Heerstrasse Tiflis erreichen. Für Kulturliebhaber ist es generell sehr empfehlenswert, sich ein Hotel direkt in der georgischen Hauptstadt zu suchen. Denn in Tiflis selbst gibt es einiges zu entdecken. Und auch die Preise sind sehr erschwinglich. Außerdem ist die Stadt ein guter Ausgangspunkt für Trips in andere Regionen und Städte des Landes.

In Tiflis leben mehr als eine Million Menschen – Das ist gut ein Viertel der georgischen Bevölkerung. Entsprechend ist die Stadt auch das Lifestyle- und Kultur-Zentrum des Landes. Ein Dutzend Museen, der Georgische Staatszirkus, das Staatliche Akademische Theater Schota Rustaweli und das Tbilisi International Film Festival sind hier beheimatet. Sehenswert sind auch der 128 Hektar große botanische Garten, die Altstadt mit dem Bäderviertel Abanotubani und der Stadtteil Garetubani mit seinen Prachtvillen aus dem 19.Jahrhundert. Moderne Wohnungen, Gotteshäuser und antike Bauwerke verschmelzen in Tiflis zu einer faszinierten Stadtkulisse, die man so nur selten auf der Welt findet. Antike und Moderne, Natur und Mensch, Fortschritt und Tradition scheinen hier perfekt zu harmonieren und bilden eine einzigartige Symbiose.

Kaukasus 3Georgien hat aber mehr als nur Kultur und Strand zu bieten. Durch seine Lage direkt am Kaukasus ist das Land auch bestens für Wanderer und Kletterer geeignet. Der höchste Berg des Landes ist der Schchara mit 5.200 Metern. Zwei weitere Fünftausender, der Dschangi und der Kasbek, befinden sich auf georgischem Boden und bieten mit ihren steilen Gletscher-Wänden beste Möglichkeiten zum Alpinklettern. Täglich werden geführte Touren – Klettertouren, Trekking, Skitouren und Pferdeausritte – zu verschiedenen Bergen im Kaukasus angeboten. Natürlich kann man bei diesen Touren auch wundervolle Naturfotos knipsen, einfach die traumhafte Landschaft genießen oder auch einen Abstecher in eines der kleinen Bergdörfer unternehmen.

Ob mit dem Zug, zu Fuß oder auch zu Wasser – Georgien ist definitiv eine Reise wert. Schneeweiße Gletscher, eine unberührte Natur, faszinierende Städte, antike Ruinen und traumhafte Sandstrände lassen wohl kaum einen Wunsch offen. Als Tourist muss und wird man sich in diesem kleinen Staat wohlfühlen, denn Gastfreundschaft wird groß geschrieben.

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