Mein Weg nach Brasilien

Es ist über zwei Jahre er, als ich beschloss der Liebe und des Interesses wegen, Portugiesisch zu lernen. Natürlich brasilianisches Portugiesisch. Es war schon immer mein Traum, irgendwann einmal – wenn ich genug Geld hätte – nach Brasilien zu reisen. Den Amazonas sehen, den Karneval besuchen und auf jeden Fall einmal an der Copacabana schwimmen gehen. Meinen Traum erfüllte ich mir vor zwei Jahren. Für drei Monate reiste ich durch Brasilien, nach Rio, São Paulo, Belo Horizonte, ins Pantanal und nach Ouro Preto. Den Amazonas und den Karneval erlebte ich bislang noch nicht. Doch ich hole das bald nach. Versprochen! Schließlich plane ich in diesem Jahr bereits meine dritte Reise nach Brasilien. Und wer weiß, was ich dort dann alles erleben werde. Aber um ganz ehrlich zu sein: Ich plane zwar einen Trip nach Brasilien, aber ohne Rückkehr. Ich möchte dort wohnen, leben, arbeiten. Und endlich, endlich ein Leben mit meinem Freund zusammen aufbauen – nach drei Jahren Fernbeziehung.

Weg nach BrasilienEs ist eine große Herausforderung, im Ausland – ganz egal wo – ein neues Leben aufzubauen. Die Bürokratie macht einem gern einen Strich durch die Rechnung. Denn man muss nicht nur sein Hab und Gut auf wenige Köfferchen aufteilen, sondern auch eine Menge Papierkram erledigen. Man braucht einen gültigen Reisepass, der in den nächsten sechs Monate nicht abläuft. Andere Dokumente, wie ein aktuelles Führungszeugnis oder die Geburtsurkunde, sind vor allem bei dauerhaften Aufenthalten dringend mitzunehmen. Und natürlich braucht man auch – gerade in nicht-europäischen Ländern – ein Visum. Das hängt aber immer vom jeweiligen Land ab. Ein Visum zu bekommen, kann manchmal ein ganz schöner Drahtseilakt sein. Denn man muss einen Grund nachweisen, warum man dauerhaft in dem Land leben möchte bzw. muss. Sei es des Studiums, der Arbeit oder eben des Lebenspartners wegen. Und genau da liegt auch mein Problem. Ich habe schon von vielen Ausländern gehört, dass es schwer ist, ein Arbeits- oder dauerhaftes Aufenthaltsvisum für Brasilien zu erhalten. Schließlich ist es an bestimmte Bedingungen geknüpft, etwa dass man die portugiesische Sprache fließend beherrscht. Als fließend würde ich mich aber nicht bezeichnen. Zwar verstehe ich Gespräche zwischen Brasilianern, kann mich mit ihnen unterhalten und über mich selbst reden. Und überleben würde ich dort wahrscheinlich auch, aber ich habe noch so viel zu lernen. Ohne Sprachkenntnisse bekommt man keine Arbeit, und ohne Arbeit habe ich kein Geld. Es ist ein Teufelskreislauf. Gerade, wenn man wie ich im redaktionellen Bereich arbeitet.

Weg nach Brasilien3Natürlich habe ich über andere Möglichkeiten nachgedacht, wie ich dauerhaft in Brasilien leben kann. Und ganz komische Anregungen gefunden. Wusstet ihr beispielsweise, dass man nach zwei Jahren illegalen Aufenthalts in Brasilien eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung beantragen kann? Dieses Gesetz existiert erst seit wenigen Jahren und soll die Zahl illegaler Immigranten minieren. Denn gerade in den Favelas verstecken sich viele Ausländer, die ihr Visum deutlich überzogen haben. Eine Ausreise ist für sie  nur gegen eine Geldstrafe möglich. In den seltensten Fällen droht sogar eine Gefängnisstrafe. Und in den brasilianischen Gefängnissen möchte man nun wirklich nicht sein. Schließlich werden die Bandenkriege von den Favelas in die Gefängnisse verlagert und dort weiter ausgetragen. Als Ausländer hat man es da wohl nicht leicht. Die Geldstrafe aber ist nicht wirklich abschreckend. Es werden lediglich acht Reais pro Tag berechnet. Das sind umgerechnet 2,70 Euro. Und es dürfen nicht mehr als 100 Tage angerechnet werden, so dass die Maximalstrafe bei unter 800 Reais liegt. Bei der Ausreise bekommt man dann eine Rechnung, die man bei der Wiedereinreise bezahlen muss. Sehr tolerant, wie ich finde. In anderen Länder werden nämlich sogar Einreiseverbote ausgesprochen.

Weg nach Brasilien4Eine weitere Option ist es, sich als Student an einer brasilianischen Uni einzuschreiben. Doch um sich zu immatrikulieren, muss man das Vestibular bestehen, einen Allgemeinwissenstest, in dem alle Schulfächer abgefragt werden. Es gibt Studierende, die sich bereits zwei Jahre vorher in spezielle Übungskurse einschreiben, nur um diesen Test bestehen zu können. Für ausländische Studierende wird da keine Ausnahme gemacht. Das Vestibular  ist – wie solle es auch anders sein – auf Portugiesisch. Und auch sonst werden nur an den größeren Unis, etwa in São Paulo oder Rio oder an entsprechenden Akademien internationale Studiengänge mit englischen Kursen angeboten. Sehr gute Sprachkenntnisse sind also ein absolutes Muss. Daher sollte man sich zweimal überlegen, ein Vollzeitstudium in Brasilien aufzunehmen. Es gibt aber eine kleine Notlösung: Man schreibt sich in einen Deutschkurs an einer brasilianischen Uni ein und erhält so ein sechsmonatiges Studentenvisum. Das Problem hierbei ist aber, dass man das Visum in Deutschland beantragen muss. Man muss also von hier aus, Kontakt zu den Unis aufnehmen und sich einschreiben. Das kann manchmal echt schwierig werden. Viele Unis bieten nämlich nicht einmal zweisprachige Webseiten an, geschweige denn einen Ansprechpartner für internationale Studierende. Ein echtes Problem, wie ich finde, genauso wie die Arbeitssuche vom Ausland aus. Es fehlt einfach der persönliche Kontakt, die Ortskenntnis und es gibt einfach zu viele Risiken. Was ist, wenn man kein Arbeitsvisum bekommt oder sich das Jobangebot stark von der Ausschreibung unterscheidet?

Weg nach Brasilien5Ein Zurück ist bei einer Auswanderung zwar immer möglich, aber es ist kräftezehrend und bedarf einer enormen emotionalen Stärke, diesen Rückschlag zu überwinden. Ich weiß wovon ich spreche. Meine zweite Brasilienreise sollte der Beginn meines neuen Lebens sein, doch es scheiterte  wie so oft – an einem fehlenden Dokument. Und so kehrte ich nach drei Monaten nach Hause zurück. Die Ersparnisse weg, der Freund 10.000 Kilometer entfernt und alles auf Neuanfang. Dieses Jahr aber mache ich es besser und ich habe schon einen Plan. Und dieses Mal werde ich auch kein Dokument vergessen!

 

2 Comments Add yours

  1. Francisca Ossig says:

    Huhu, wollte mal fragen ob du es nun denn geschafft hast und ob du mir ein paar Tipps geben könntest.

    1. A vida louca says:

      Hallo Francisca,
      ich wohne nun bereits seit fast einem Jahr in Brasilien. Es ist also möglich, seinen Traum zu verwirklichen. Gern kann ich dir ein paar Tipps geben. Sag mir nur, welche Fragen oder Probleme du hast und ich versuche, dir zu helfen. LG

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