Eine Hymne auf das “Auf Wiedersehen”

Ich hatte schon viele “Auf Wiedersehen” in meinem Leben – in der Schule, in der Uni, am Bahnhof und am Flughafen. Und alle liefen gleich ab. Man nimmt sich in den Arm, wünscht sich etwas mit auf den Weg und verspricht sich, bald wieder voneinander zu hören. Es sind diese Momente, in denen man keine Versprechungen machen sollte. Denn man wird sie meist eh nicht halten können. Vor allem dann, wenn das Geld knapp und die Entfernung weit ist. Ich bin kein großer Fan von “Auf Wiedersehen”. Schließlich weiß man nie, was die Zukunft bringen wird. Oder ob der Flieger, in dem man gleich steigt, überhaupt ankommen wird – wenn man es mal schwarzmalerisch betrachten möchte. Vielleicht hat man in dem Moment, in dem man sich verabschiedet, bereits das Beste hinter sich gelassen. Und die kostbarsten Momente ausgeschöpft.

Auf WiedersehenDieses unbehagliche Gefühl kenne ich ganz genau. Zwar habe ich keine Angst vorm Fliegen – und ein Absturz wäre wohl meine kleinste Sorge -, aber ich lasse nicht gern etwas zurück. Besonders nicht die Menschen, die mir am Herzen liegen.  Ein “Auf Wiedersehen” scheint trotz der wörtlichen Bedeutung etwas Endgültiges zu sein. Ich sagte auch zu meinen neuen Freunden in Indien, dass wir uns wiedersehen werden. Möglichst bald und dann wird alles wie früher. Doch ich traf kaum jemanden von ihnen wieder. Und irgendwie waren wir der damaligen Zeit schon entwachsen. Obwohl es gerade einmal zwei Jahre her ist. Auch nach meinem Aufenthalt in Brasilien musste ich so viele Dinge hinter mir lassen.

Auf Wiedersehen3Ich habe immer die Befürchtung, dass ich, wenn ich ein Land oder einen Menschen verlasse, ebenso meine Erinnerungen daran verliere. Und irgendwo stimmt das auch. Denn nichts bleibt für ewig im Gedächtnis. In manchen Fällen ist das gut so, in anderen wohl weniger. Und genau deshalb mache ich mir nicht viel aus diesem “Auf Wiedersehen”. Denn es kann ein Ende oder ein Neuanfang, ein Schritt nach vorn oder zurück. Man weiß es nie vorher. Aus diesem Grund sieht man mich nie am Flughafen weinen oder besonders sentimental. Ich lasse einfach alles auf mich zukommen – jedes “Auf Wiedersehen” und jedes reale Wiedersehen.

 

3 Comments Add yours

  1. Sehr schön beschrieben! 🙂

    1. mawei26 says:

      Vielen Dank 🙂

      1. Gerne! Konnte mich ganz gut wieder finden! 🙂

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