Mumbai: Slum und mehr – Teil II

Der erste Schock nach unserer Ankunft in Mumbai: Wir konnten unser Hotelzimmer nicht beziehen. Bislang hatte sich Indien mir gegenüber, also einer Ausländerin gegenüber, immer sehr offen präsentiert. Zwar wurde ich wie ein Alien auf der Straße angestarrt, doch wenn ich mal etwas zu viel Bein zeigte oder mich zu “un-indisch” präsentierte, wurde es mir für gewöhnlich nachgesehen. Doch dieses Mal war das anders. Mein Brasilianer und ich hatten bereits ein paar Tage vorher unserer Ankunft ein Hotelzimmer gesucht in Navi Mumbai. Der Bezirk ist recht weit von den Sehenswürdigkeiten entfernt, dafür aber war das Hotel besonders günstig. Ein unschlagbarer Preis und wir griffen zu. Das aber war ein Riesenfehler, denn das Hotel wurde von Muslimen geführt. Nichts Ungewöhnliches denkt man sich. Vor allem wenn man in einem Land lebt, in dem ein Viertel der Bevölkerung islamischen Glaubens ist. Dieses Mal jedoch stellte die Religion ein großes Problem dar.

Mumbai11Wie Packesel schleppten wir unsere Rucksäcke in den ersten Stock hinauf. Einen Aufzug gab es nicht. Dafür aber etliche, hohe Stufen. Nach 10 Stunden Busfahrt war das ein echter Akt der Verzweiflung für uns. Als wir dann endlich die Rezeption erreichten, waren wir überglücklich. Doch dann aber kam der Schock: Der Mann hinter dem Tresen erklärte uns, dass in seinem Hotel nur verheiratete Paare schlafen dürfen. Man müsse ja die Sitten wahren. Und ein unverheiratetes Paar, das zusammen in einem Doppelbett schläft, widerspricht der Hausordnung. Natürlich hatte das Hotel keine Einzelzimmer. Da wir aber schon 1000 Rupien oder auch mehr (Meine Erinnerung an den Preis ist leider verblasst) bezahlt hatten, bestanden wir auf ein Zimmer. Es ließ sich aber nichts machen. Und so standen wir vollgepackt und um einige hundert Rupien leichter auf der Straße. Denn zu allem Ärger bekamen wir unser Geld auch nicht zurück.

Mumbai1211 Uhr mittags. Mitten in Mumbai und das GPS funktionierte nur spärlich. In unserer Verzweiflung liefen wir die Straße hinunter auf der Suche nach einem Hotel, dann die nächste Straße und noch eine weitere. Doch jedes Hotel war ausgebucht oder schlichtweg zu teuer. Also beschlossen wir, uns in den nächsten Mc Donalds zu setzen und dort mit unserem indischen Freund zu reden. Er wird doch sicher eine Lösung für uns haben. Wir waren total ausgebrannt und unsere Mägen konnte man meterweit knurren hören. Ein Burger konnte da sicher nicht schaden. Während unseres Mittagessens suchten wir im Internet und mit Hilfe unseres indischen Freundes hektisch nach einem neuen Hotel. Und wir waren erfolgreich.

Mumbai13Im Zentrum Mumbais, in allerfeinster Lage und natürlich kilometerweit entfernt befand sich unserer Hotel. Um dorthin zu gelangen hatten wir zwei Möglichkeiten: Entweder lassen wir uns von einem Rikscha-Fahrer ausbeuten oder wir drängeln uns in einen der komplett überfüllten Züge. Da wir schon im Hotel sinnlos Geld gelassen hatten, entschieden wir uns für die letztere Option. Der Weg zum Bahnhof gestaltete sich abenteuerlich. Wir hatten absolut keinen Plan, wo er liegt – und eine Landkarte ließ sich auch nicht auftreiben. Aber irgendwie – Google sei dank – erreichten wir den Bahnhof und verliefen uns auf den Weg auch nur ein einziges Mal. Im Zug, besser gesagt in der Metro, konnten wir endlich etwas durchatmen. Über eine halbe Stunde fuhren wir in das Stadtzentrum und stiegen am Chhatrapati Shivaji Terminus aus.

Kaum ausgestiegen strömten uns bereits die Rikscha-Fahrer entgegen. Immer auf der Suche nach einer guten Verdienstmöglichkeit witterten sie ihre Chance. Ausländer sind halt eine leichte Beute und oft bereit mehr zu bezahlen. Denn Indien, vor allem die Transportpreise, sind im Vergleich zu allen europäischen Ländern enorm günstig. Kein Taxi-Fahrer würde für 30 Rupien überhaupt den Motor starten, geschweige denn einen Meter fahren. Doch in Indien ist das normal. Viele Rikscha-Fahrer arbeiten zwölf Stunden am Stück oder schlafen sogar in ihrer Rikscha.

Mumbai14Wir kannten die Preise für eine Taxifahrt zum Hotel. Wir hatten unseren indischen Bekannten gefragt. Das ist der Vorteil, wenn man einen Einheimischen zum Freund hat. Ich empfehle jeden – wenn man länger im Ausland ist – sich immer eine lokale Bezugsperson zu suchen – bei Fragen oder Problemen, Verständigungsschwierigkeiten oder einfach zum Weggehen. Natürlich sollte man sich jemand vertrauensvollen suchen!

Nach einer zwanzigminütigen Fahrt in einer mehr als überfüllten Rikscha – unser Gepäck nahm die ganze Sitzbank ein – erreichten wir endlich unser Hotel. Und dort übernachteten wir zwei Nächte. Eine viel zu kurze Zeit, um Mumbai richtig kennen zu lernen. Doch es lohnte sich definitiv.

 

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