Überlebenstipps für Indien – Teil I

10. Wo geht es zum…

Viele Menschen kennen diese Situation: Man kommt in ein fremdes Land, steht am Flughafen und weiß einfach nicht, welchen Bus zum Hotel man nehmen soll. Der Informationsschalter ist restlos überfüllt und nichts scheint vorwärts zu gehen. Natürlich kann man versuchen, einen Einheimischen zu fragen. Doch nicht immer ist das hilfreich, wie ich in Indien feststellen musste. Denn fragt man zwei verschiedene Menschen, so erhält man meistens zwei verschiedene Straße_HydAntworten. Sagt der eine also, man müsse Bus 230 nehmen, behauptet der andere es wäre der 111er. Und schon steht man vor dem Problem. Ich habe mich in Indien immer gefragt, ob Menschen vielleicht einfach das Falsche sagen, um nicht dumm dazustehen, um sich selbst nicht zu blamieren. Oder es ist einfach ein kulturelles Ding. Man antwortet aus Anstand. Egal was.

Um dieses Problem zu umgehen sollte man – gerade bei Busfahrten – immer den Fahrer fragen, ob er wirklich die entsprechende Haltstelle anfährt. Natürlich kann man sich auch (fast) alle Informationen vor Reiseantritt aus dem Netz fischen – ausgenommen Busfahrtzeiten. Diese stimmen nämlich nie. Einmal haben wir sogar auf unseren Reisebus anderthalb Stunden warten müssen. Direkt an der Hauptverkehrsstraße in Hyderabad an einem Freitagabend. Man kann nur erahnen, wie laut, überfüllt und stickig es war. In Indien sollte man sich also nie auf Uhrzeiten, geschweige denn auf die Auskunft von Fremden verlassen.

9. Immer die passenden Ohrenstöpsel

Schon nach den ersten Tagen war es unbestreitbar: Indien ist ein wahnsinnig lautes Land, viel lauter als jedes Land, in dem ich bis dato gewesen war. Sogar bei Nacht scheinen die knatternden Motorräder, die Bauarbeiter und die klagenden Mütter keine Ruhe zu finden. Ob in Hyderabad, in Neu Delhi oder in Mumbai – Immer war irgendwo etwas los. Und noch schlimmer war es in jenen Bezirken, in denen Armut und Gewalt vorherrschend sind. Direkt neben meiner Wohnung in Hyderabad befand sich ein solches Armenviertel. Besser gesagt ein Semislum. Eines Abends wurden meine Mitbewohner und ich sogar Zeugen eines lautstarken Streits zwischen BaustelleEhepartnern, der in einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen mehreren Bewohnern endete. Solche Eskalationen gehörten der Seltenheit an. Doch konnte man allnächtlich irgendwelche Stimmen oder Geräusche aus diesen kleinen Wellblechhütten vernehmen. Ein schreiendes Baby, ein Mann, der sich um fünf Uhr nachts auf den Weg zur Arbeit macht und ein grölender Besoffener, der seine Sorgen im Alkohol ertränkt.

Nur zwischen ein Uhr und vier Uhr am Morgen – wenn die letzten Partygänger nach Hause gingen und die Früharbeiter losfahren mussten – konnte man so etwas wie Stille erahnen. Doch wirklich still war es irgendwie nie. Aus diesem Grund habe ich mir angewöhnt, immer meine Ohrenstöpsel dabei zu haben. Sie waren für mich ein überlebenswichtiges Utensil. Sozusagen mein Rettungsring auf hoher See. Gerade dann, wenn auf der Baustelle direkt neben mal wieder sonntagmorgens um 6 Uhr gearbeitet wurde. Oder es unerträglich heiß war und ich bei offenen Fenster schlief.

8. Keine Angst vor Bullen

Es gibt viele Klischees über Indien und eines ist definitiv wahr: Kühe sind wirklich überall. Ich begegnete ihnen auf dem Weg zur Arbeit, sie begrüßten mich vor dem Einkaufszentrum und – natürlich – waren viele von ihnen in den Hindutempeln beheimatet. Friedlich und mit gold-roten Farben bemalt schliefen sie dort, fraßen das Gras am Wegesrand und Küheviel zu oft auch den sorglos weggeworfenen Müll. Trotz der Ruhe, die sie ausstrahlten, machte ich immer einen großen Bogen um sie. Und das zu recht, wie ich später lernte. Denn eines Tages als wir auf dem Weg von Jaipur nach Neu Delhi waren, ging ein Bulle auf unser Taxi los und rammte es beinahe. Genau auf der Seite, auf der ich saß. Ich war wie erstarrt.

In Indien gibt es sogar Gesetze, die die Kuh als heiliges Tier schützen. Derjenige, der sie absichtlich anfährt oder sogar tötet, erhält eine drakonische Geldstrafe oder eine Gefängnisstrafe von bis zu sieben Jahren. Mir ist aber kein einziger Unfall mit einem Rind zu Ohren gekommen. Verwunderlich, wenn man das alltägliche Verkehrschaos sieht, in dem sich Kühe zwischen Motorrädern, Rikschas und Autos durch die viel zu überfüllten Straßen drängeln. Als kannten sie die Verkehrsregeln, machten sie eine weitere Spur am Straßenrand auf und bewegten sich mit dem Strom zum nächsten Fresspunkt.

Für viele Inder sind Kühe aber nicht nur des Glaubens wegen, sondern auch aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung essentiell – und schützenswert. Sie sind ein Transportmittel, eine wichtige Einnahmequelle und eine Unterstützung bei der Landwirtschaft. Denn die meisten indischen Bauern können sich keine teure Dresch- oder Saatmaschine leisten. Kuhe_FigurEbenso gilt ihre Milch als ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Viele ärmere Familien verwenden auch die getrockneten Kuhfladen zum Heizen oder zum Dämmen ihrer Hütten. Doch eines sollte man nie vergessen: Kühe sind und bleiben bei all ihrem Nutzen und trotz der Domestikation wilde Tiere, die nicht unterschätzen sind.

 

6 Comments Add yours

  1. Angelina says:

    Ich liebe Asien!! Wie ist es in Indien? Ich war in Thailand und ich hab erst dort richtig gelernt wie es ist sich über die einfachen Dinge im Leben richtig zu freuen. Toll, dass du da warst!! 🙂

    1. mawei26 says:

      Hallo Angelina, danke für Deinen Kommentar. Ich liebe Indien wirklich. Es ist so vielseitig und einzigartig. Auch das Essen ist köstlich und im Norden des Landes gar nicht so scharf. Ich kann jedem nur empfehlen, einmal im Leben nach Indien zu reisen! Besonders empfehlenswert sind natürlich die Großstädte und Regionen wie das Himalayavorland und Kerala! LG 😊

      1. Angelina says:

        Das klingt wundervoll. Ich möchte auch unbedingt dorthin! Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll mit dem Reisen es gibt so einzigartige Orte! Oh, ich liebe das asiatische Essen, vorallem Indisch!!! Vielen Dank für die schnelle Rückmeldung! LG zurück 😊

  2. sabihass says:

    Super spannender Beitrag! Hat echt Spaß gemacht ihn zu lesen, Asien ist faszinierend! Bisher war ich nur auf Bali aber Indien wird definitiv folgen!

    1. mawei26 says:

      Vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich würde auch gern einmal nach Bali reisen. Wie ist es dort denn so?

      1. sabihass says:

        Ich glaube jeder sieht Bali durch seine eigenen Augen. Man kann es lieben oder hassen. Mir kam es anfangs total anders vor als in Filmen und Büchern beschrieben …. Und gegen Ende des Urlaubs dachte ich mir – doch, könnte hinkommen” bei mir haben das Land definitiv die neuen Freunde einzigartig erscheinen lassen. Ich hab eins rück meines Herzens auf Bali verloren..:)

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