Überlebenstipps für Indien – Teil II

7. Nicht jede Rikscha ist gleich

Wie die Kühe so sind auch die Rikschas untrennbar von der indischen Kultur. Sie bevölkern die Straßen ein jeder Stadt und warten nur auf den nächsten Passagier. Touristen bevorzugt. Denn diese kennen die lokalen Preise meist nicht und sind gern bereit, auch ein paar Rupien mehr zu bezahlen. Vor allem die westlichen – scheinbar reichen – Touristen sind ein beliebtes Opfer der Rikschafahrer. Auch für Entführungen.

Falsche Rikschas und falsche Taxis sind nämlich gar nicht so selten auf den indischen Straßen unterwegs – glaubt man den Statistiken. Ihre Fahrer sind für gewöhnlich Mitglieder in einer organisierten Bande und machen regelmäßig Jagd auf potenzielle Opfer. Unwissentlich steigen diese in das falsche Fahrzeug. Denn äußerlich unterscheidet es sich nicht von den anderen Taxis und Rikschas. Und ihre Masche ist sehr raffiniert: Weitere Bandenmitglieder – teilweise in falschen PolizeRikscha_Hydiuniform – steigen während der Fahrt zu und bedrohen den Passagier. Sie erpressen meist mehrere hundert Dollar von ihm. Genug Geld, um davon leben zu können, aber nicht genug, um eine umfassende Polizeiuntersuchung zu starten. Es gibt bestimmte Städte und Stadtviertel, in denen solche Rikschaentführungen häufiger vorkommen. Vor allem in den entlegenen und ärmeren Gebieten ist Vorsicht geboten – ebenso wie bei Nacht und wenn man allein unterwegs ist. Ich habe einmal den Tipp bekommen, dass man sich – falls man unsicher ist – die Zulassung und den Führerschein des Fahrers zeigen lassen kann. Organisierte Banden besitzen nämlich für gewöhnlich keine Zulassung.

Ich selbst wurde nie Opfer irgendeiner Erpressung. Doch auch so hatte ich genug mit den Rikschafahrern zu kämpfen. Wie ein Haufen liebenshungriger Jünglinge umschwärmten sie mich. War ich einmal allein unterwegs, dann hielt sofort einer von ihnen an, das große Geschäft witternd. Auch nach mehreren Wochen in Indien änderte sich die Situation nicht. Mit meinen blonden Haaren und meiner Porzellanhaut schrie ich wohl nur danach, angesprochen zu werden. Und natürlich wurde mir die Fahrt jedes Mal für den vier- bis sechsfachen Preis angeboten. Und ich erlebte noch ganz andere Sachen: Einmal war ein Fahrer so besoffen, dass wir beinahe in der Kurve umgefallen wären. Ein anderes Mal ging der Motor am Berg aus und wir mussten die Auto-Rikscha anschieben – bei 30°C in brütender Hitze.

6. Scharf und cremig gefällig?

Indisches Essen ist köstlich – ganz ohne Zweifel. Doch unterschätzen sollte man es nicht. Denn nicht nur die Schärfe, sondern auch die Vielzahl an Gewürzen kann dem durchschnittlichen Europäer ganz schön auf den Magen schlagen. Ich selbst habe mich schnell an die Schärfe der Speisen gewöhnt und war erstaunt, wie gut ich es doch vertrug. Gerade auch wegen der mangelnden Hygiene, die in vielen indischen Restaurants herrscht. Eine Kakerlake im Haus gehört da schon fast zum guten Image dazu. Essen_NudelnVon Straßenessen ließ ich – bis auf ein einziges Mal, als ich zu sehr verführt wurde – strikt die Finger. Viele Inder warnten mich nämlich, dass diese Speisen wahre Bakterienschleudern sind. Denn es gibt weder eine Kühlung für das Fleisch und das Gemüse, noch werden die Töpfe und Pfannen gründlich gereinigt.

Ich hielt mich an alle Ratschläge und Hygienetipps, doch nach drei Monaten holte mich meine Herkunft doch ein. Ganze zehn Tage herrschte kompletter Ausnahmezustand in meiner Magen- und Darmflora. Ich konnte anfänglich nicht einmal Wasser bei mir behalten. Ich litt Höllenqualen und die indischen Medikamente zeigten absolut keine Wirkung. Kein Wunder bei dem Preis. Fünf Tabletten kosteten etwa 15 Rupien, umgerechnet 22 Cents. Mit Haferschleim, Joghurt und Bananen – alles recht günstig in Indien – päppelte ich mich irgendwie wieder auf. Und ich lernte, dass nicht die Schärfe für meinen körperlichen Knock-Out verantwortlich war. Die vielen Gewürze und die schlechte Hygiene waren ausschlaggebend.

5. Aber nicht zu kurz, bitte!

Dauersonnenschein, 32°Celsius, kein Lüftchen weht – und was trägt der indische Mann? LangeIndische Männers Hemd und Jeanshose natürlich. Nur hin und wieder erspäht man zwischen der konformen Masse einen Andersartigen. So etwa einen alten Mann in einem Lungi. Der Lungi ist ein traditionelles, indisches Kleidungsstück, ein Tuch, das wie ein Rock um die Hüfte geknotet wird. Einige junge Männer trauen sich sogar, mit knielangen Hosen das Haus zu verlassen. Und es wird ihnen sofort mit starrenden Blicken gestraft.

Auch für Frauen gilt: Man sollte möglichst seinen Körper bedecken – egal, wie warm es ist. Saris und Kurtis sind da gute Alternativen. Man ist traditionell gekleidet, verhüllt sich der Kultur entsprechend und sie sind nicht all zu warm. Ich selbst habe mir schon in den ersten Wochen den ersten Kurta zugelegt und ihn oft und gerne getragen. Und auch lange, luftige Baumwollhosen und T-Shirts sind super, um die indische Hitze zu ertragen.

Mehrere Mal bin ich aber aus der Konformität ausgerissen. Dann bin ich – wie Zuhause in Deutschland – mit knielangem Rock die Straßen entUnbekannte Fraulang oder zur Disko gegangen. Im Nachtleben ist es nicht unüblich, dass Frauen kurze Sachen tragen. Doch im Alltag wurde ich wie ein Alien angestarrt – von beiden Geschlechtern. Und ich riskierte damit auch, das Opfer von Belästigungen und Übergriffen zu werden. Vor allem wenn ich erst wieder in der Dämmerung heim ging. Denn für viele indische Männer ist das Zeigen von Haut eine sexuelle Anspielung und ein Freifahrtsschein für “Mehr”. Deshalb habe ich immer aufgepasst, dass ich nicht zu wenig anhabe und besonders im Dunkeln nie allein unterwegs bin. Und trotzdem konnte ich mich nicht komplett von allem Unheil abschirmen.

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