Überlebenstipps für Indien – Teil III

4. Eine Nacht in Indien

Welches Hotel ist das richtige für mich? Eine prekäre Fragen für (fast) jeden Touristen. Besonders in einem Land wie Indien. Denn der deutsche Standard ist hier nur schwer zu finden – besonders im Hinblick auf Hygiene und Sicherheit. Und auch die Klassifizierung “Fünf Sterne” ist noch lange kein außerordentliches Qualitätsmerkmal und entspricht maximal einem mittelklassigen Hotel in Deutschland. Wenn überhaupt. Schließlich kann sich selbst einHinweisschild auf den ersten Blick sauberes Hotel als wahre Brutstätte für Kakerlaken und Bettwanzen entpuppen. In Indien ist man vor solchen Plagen nie sicher. Vor Reiseantritt sollte man sich dessen unbedingt bewusst sein. Ebenso, dass man oft nicht das bekommt, was man eigentlich gebucht hat – wie ich beispielsweise bei meiner Goa-Reise erleben musste. Die Bungalowsiedlung im Grünen war eine Anreihung von alten Hütten mitten im Dschungel. Im Badezimmer warteten schon die ersten Kakerlaken auf mich. Natürlich war das Duschwasser eiskalt und die Toilette hatte auch schon seit Jahren keinen Lappen mehr gesehen. Zu allem Überfluss schliefen wir zu siebt in zwei Schlafräumen; und es gab nur zwei Betten und zwei Matratzen. Dafür waren die Bungalows aber unglaublich günstig.

Neben der mangelnden Hygiene ist in Indien auch der Sicherheitsaspekt in den Hotels ein großes Problem. Denn Diebstähle sind keine Seltenheit. Einmal wurde eine Bekannte von mir sogar in ihrem Hotelzimmer beim Schlafen beklaut. Im Halbschlaf bemerkte sie, wie ein Angestellter sich Zutritt zu ihrem Zimmer verschaffte. Zuerst glaubte sie an einen Traum. Doch ein Blick in ihr Portemonnaie genügte, um zu wissen, dass sich ein Diebstahl direkt vor ihrer Nase abgespielt hatte. Mehrere Hundert Rupien leichter und voller Angst wechselte sie das Hotelzimmer. Der Dieb wurde aber nie geschnappt. Vor allem in den Touristenhochburgen – Goa, Neu Delhi und Mumbai – soll es öfter zu solchen oder ähnlichen Diebstählen kommen.

Manche Touristen sind sogar so wagemutig, komplett auf ein Hotel zu pfeifen und es sich unter dem Sternhimmel bequem zu machen. Was für junge Verliebte sehr romantisch klingt, kann in Indien schnell zu einem hohen Risiko werden. Erst im letzten Jahr wurde ein Fall von einem britischen Ehepaar bekannt, dass in ihrem Campingzelt überfallen wurde. Der Mann wurde brutal niedergeschlagen und die Frau vergewaltigt. Solche Vorfälle verdeutlichen, wie wichtig es in Indien ist, sich eine ordentliche Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Und diese bekommt man schon für wenige hundert Rupien.

3. Protection first!

In Indien ist man niemals allein. Und nein, ich meine dieses Mal nicht die zig Augenpaare, die einem jeden Tag folgen. Vielmehr spreche ich von den Blutsaugern unter den Insekten, den indischen Stech- und Tigermücken. Diese kleinen Biester belagern jeden, der sich ihnen auf hundert Meter Entfernung nähert. So klein und unscheinbar, wie sie sind, so gefährlich sind sie auch. Denn sie können tödliche Krankheiten wie Malaria und das Denguefieber übertragen. Und das durch nur einen einzigen Stich.Baracke Bis heute gibt es keine wirksame Impfung dagegen. Deshalb sollte man persönliche Prophylaxe betreiben. Besonders einfach zu handhaben sind Repellentien zum Einsprühen und Eincremen. Doch – wie ich am eigenen Leibe erfahren musste – halten diese nur wenige Stunden vor. Und deutsche Anti-Mücken-Sprays haben meistens einen zu niedrigen Diethyltoluamid-Gehalt, um die indischen Blutsauger abzuschrecken. Daher sollte der erste Weg in Indien direkt in die Drogerieabteilung des nächsten Supermarkts gehen. Dort kann man auch gleich Räucherkerzen kaufen. Denn Mücken hassen nichts mehr als stickige Luft.

Ein weiteres heikles Thema, wenn es um die Prophylaxe geht, ist der Sonnenschutz. Zwölf Stunden am Tag strahlt die Sonne fast senkrecht auf das südliche Indien ein. Für wohl fast jeden Menschen eine wahre Tortur. Doch vor allem die weißhäutigen Exemplare unter ihnen sind besonders gefährdet. Denn innerhalb einer halben Stunde nimmt ihre sonst so helle Haut eine leichte bis starke Rotfärbung an – je nach Hautton. Auf Dauer kann ein solcher Sonnenbrand lästig sein und auch gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Deshalb sollte die Sonnencreme – natürlich nicht weniger als LSF 35 – für jeden Mitteleuropäer zur Standard-Ausrüstung dazugehören. Ebenso empfiehlt es sich, die pralle Mittagshitze zu meiden und längere Kleidung zu tragen. In Indien kann man auf jedem Handwerkermarkt praktische – und meist auch schöne – Baumwollkleidung, Tücher und Mützen kaufen. Zu sehr günstigen Preisen, insofern man bereit ist, mit dem Händler zu feilschen.

2. Porentief rein

Auf all meinen Reisen gibt es ein Grundsortiment an Artikeln, die ich immer dabei habe: Ohrenstöpsel, Zahnputzzeug, Medikamente, Desinfektionsmittel und Feuchttücher. Denn es geht nichts über einen ruhigen Schlaf und eine saubere Umgebung.

Schon vor meinem Indienaufenthalt wusste ich, dass dieses Land meine Hygienevorstellungen ganz schön auf den Kopf stellen könnte. Die Webseite des Auswärtigen Amtes hatte mich schließlich genug vorgewarnt. Und so bereitete ich mich noch akribischer als sonst auf meine Reise vor. Tageskontaktlinsen, Toilettenpapier – man weiß ja nie, wo es welches zu kaufen gibt – und Ein-Mal-Handschuhe komplettierten mein Gepäck. Vorbereitet genug, dachte ich. Doch, was mir auf meiner Mumbai-Reise passierte, übertraf all meine Vorstellungen. KleidungAn dreckige Löcher im Boden – auch Toiletten genannt -, jegliches Ungeziefer und Müllberge hatte ich mich schon längst gewöhnt. Plötzlich aber wurde ich von einem fiesen Ausschlag heimgesucht, der sich vor allem an meinen Oberschenkeln und an meinem Hintern breit machte. Tagelang hatte ich damit zu kämpfen. Sitzen war fast unmöglich und jeder Toilettengang wurde zum Höllentrip. Im Internet, wie nicht anders zu erwarten, fand ich keine Informationen darüber. Und so wandte ich mich an meine Kollegen. Sie wussten sofort, woran ich litt: eine Reiseallergie, die in Indien häufiger auftritt. Ursächlich dafür ist mangelnde Hygiene bei Zug- und Busreisen. Auf den Sitzen machen sich nämlich unzählige Bakterien breit, die durch die Kleidung auf die Haut gelangen. Ist es nicht möglich, sich regelmäßig umzuziehen oder zu waschen, so steckt man sich mit ihnen an und wird krank oder bekommt halt einen Ausschlag wie ich. Zwei Wochen lang plagten mich unerträgliche Schmerzen – und irgendwann ging der Ausschlag von allein weg.

Seither versuche ich noch stärker auf meine Hygiene zu achten. Ich wechsele auf jeder Reise mehrmals meine Kleidung und säubere mich sorgfältig mit Feuchttüchern. Schließlich habe ich sie dafür mitgenommen. Außerdem hilft ein gesundes Immunsystem, um solchen Vorfällen zu entgehen.

1. Trinken ohne Reue

Trinkwasser gibt es im Überfluss in Deutschland. Doch in manch anderen Ländern gehört es zu einem wahren Luxusgut, so auch in Indien. Leitungswasser ist hier nicht trinkbar, sondern man muss sich Flaschen im Supermarkt besorgen oder einen Wasserlieferanten bestellen. Dieser liefert beinahe zu jeder Tageszeit große Wasserkanister ins eigene Heim. Praktisch, meint man. Aber auch dieses Wasser ist nicht immer hundertprozentig sauber – wieKokosnusswasser mir die Geschichte zweier Bekannter verdeutlichte. Diese steckten sich nach dem Genuss von gefiltertem Trinkwasser mit Typhus an. Daher gilt: Verdreckte und unversiegelte Kanister sollte man niemals vom Lieferanten annehmen. Und auch wenn äußerlich keine Verunreinigungen erkennbar sind, so kann das Wasser gefährliche Viren und Bakterien enthalten. Wer sich also unsicher ist oder einen empfindlichen Magen hat, kann das Trinkwasser (und auch Leitungswasser) zusätzlich abkochen, um es zu verzehren.

In einigen ländlichen Gebieten Indiens, wie etwa in Westbengalen, hilft das aber auch nicht. Denn das Leitungswasser wird hier aus dem Grundwasser gewonnen, das stark mit Arsen angereichert ist. Ein schleichender Tod für die Bewohner, die das Wasser täglich verzehren und sich der Verunreinigung nicht bewusst sind. Touristen würde ich daher immer raten, kein Leitungswasser zu konsumieren und nur abgepackte Flaschen zu kaufen – auch wenn hier die Gefahr einer Erkrankung nicht ganz auszuschließen ist.

 

2 Comments Add yours

  1. Janine says:

    So faszinierend-so erschreckend. Fast würde ich mir gern selbst ein Bild davon machen, aber erstmal ist es noch nicht geplant.

    1. mawei26 says:

      Indien ist auf jeden Fall immer eine Reise wert. 🙂

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