Reisen mit der Fotografie oder Reisefotografie

Sie ist mein treuer Begleiter auf all meinen Reisen, mein “Ohne-Dich-Geht-Es-Nicht”, meine Konstante, wenn mir mal wieder der Wind der Veränderung ins Gesicht peitscht: meine Spiegelreflexkamera.

Brasilien
Eine Fotoaufnahme von einem Hügel in Juiz de Fora

Seit vier Jahren reist sie mit mir um die Welt, von Asien nach Südamerika nach Europa und wieder zurück. Mehr als 50.000 Kilometer haben wir wohl schon gemeinsam zurückgelegt – und ich möchte sie keinesfalls missen.
Denn, wenn auch viele Menschen sagen, dass man Momente nicht im Bild festhalten kann, so widerspreche ich dem vehement. Für mich ist die Fotografie nämlich ein wichtiger Bestandteil bei der Erkundung eines unbekannten Landes und der Rückbesinnung auf Vergangenes. Ich halte in meinen Bildern nämlich all das wach, was ich in den letzten fünf, zehn oder mehr Jahren erlebt habe. Und ich habe viel dazugelernt:

1. Komfortzone goes by

Libelle
Eine Libelle an einem Teich nahe München

In Brasilien habe ich gelernt, dass ein Foto viel kosten kann. Manchmal sogar ein Leben. Denn viele Touristen laufen mit ihren 2.000 Euro teuren Super-Hitech-Digicams und Spielreflexkameras durch die Straßen Rio de Janeiros, bei Tag und bei Nacht. Und dass ohne jegliche Ortskenntnis oder Rücksicht auf die möglichen Gefahren. Überfälle sind hier nämlich an der Tagesordnung. Und was bietet sich da besser an, als einen reichen Touristen zu überfallen? Denn eine teure Kamera ist auf dem Schwarzmarkt mehr wert, als die meisten Brasilianer in einem oder zwei Monaten verdienen. Bei manchen übersteigt es sogar das Jahreseinkommen. Wird man Opfer eines Überfalls, dann ist es immer empfehlenswert, Geld und Wertgegenstände ohne Wenn und Aber hinzugeben.  Viele Diebe führen nämlich gefährliche Waffen mit sich und schrecken nicht davor, sie anzuwenden. Ich selbst habe davon gehört, dass viele Touristen sich einen zweiten Geldbeutel einpacken, mit Fake-Kreditkarten und nur wenig Bargeld – für den Falle eines Überfalls. Eine Kamera ist aber nur schwer zu fälschen – und wie in meinem Falle hängt da auch oft ein emotionaler Wert dran.

NEU
Kirche in München

Aber wie kann man so etwas vermeiden? Zu aller erst sollte man sich bewusst sein, dass man für ein gutes – und auch ungefährliches – Foto seine Komfortzone verlassen muss. Das bedeutet, dass man sich auf die in Brasilien herrschenden Gewohnheiten einstellt und sich auch anpasst. Als Mitteleuropäer ist man natürlich besonders auffällig, mit der hellen Haut und der – für brasilianische Verhältnisse – übermäßig großen Statur. Auch mangelnde Sprachkenntnisse enttarnen sofort einen Touristen. Deshalb ist es wichtig, sich kleidungstechnisch am brasilianischen Stil zu orientieren – und nicht mit übermäßig teuren Markenklamotten aus der neuesten Saison durch die Favelas zu flanieren. Seine Kamera kann man bei den Fototouren auch in einem sicheren Rucksack oder in einer der allseits beliebten brasilianischen Einkaufstüten verstecken. Eine überaus wirksame Tarnung. Ebenso lohnt es, kein unnötiges Equipment mitzuführen. Weniger Equipment bedeutet auch weniger Traglast und weniger Gegenstände, die potenziell gestohlen werden könnten. Ich habe mir immer schon vorher überlegt, wo, was und unter welchen Bedingungen ich fotografieren werde und meine Kameraausrüstung entsprechend eingepackt bzw. eingetütet.

2. Die Equipment-Frage

Pantanal
Ein Krokodil im Pantanal

Es ist ein Unterschied, ob man sich in den Straßen Rios auf die Suche nach dem echten Leben begibt oder im Amazonas den “Boto Vermelho”, den roten Delfin, fotografieren möchte. Bei der Straßenfotografie neige ich dazu, ein Weitwinkel- und ein Teleobjektiv mit mir zu führen, gegebenenfalls auch einen HD-, FLD- oder UV-Filter, bei zu starker Sonneneinstrahlung. Die Tierfotografie hingegen schreit förmlich nach einem universellen Makroobjektiv mit hohen ISO-Zahlen. Besonders im Regenwald erreicht nämlich nur wenig Licht den feuchten Tropenboden und bleibt im dichten Blattwerk hängen. Deshalb sollte man auch überlegen, ob es sich lohnt, ein Stativ mitzunehmen – des Gewichts und der technischen Anforderungen wegen. Entscheidet man sich gegen das Stativ, so ist ein lichtstarker Sensor, der auch bei hohen ISO-Zahlen scharfe und nicht rauschende Bilder macht, unverzichtbar. Denn, was gibt es Schlimmeres, als ein tolles Motiv, das rauscht? Auch eine Kamera mit ISO-Automatik kann bei der Reisefotografie ein großes Plus sein.

Tendenziell empfehle ich jedem bei der Wahl der Kameraausrüstung eine solche Checkliste zu erstellen:

  • Fotografiere ich tagsüber, in den Morgen- und Abendstunden oder nachts?
  • Wie ist das Wetter an dem Ort, wo meine Foto-Tour stattfindet?
  • Welche Motive fotografiere ich (Tiere, Menschen, Landschaften, Städte)?
  • Gibt es ein Universalobjektiv, das ebenso meine Bedürfnisse erfüllt?
  • Besitze ich anstatt eines schweren Objekts ein leichteres, qualitativ gleichwertiges Objektiv?
  • Benötige ich ein Stativ?
  • Habe ich all meine alten Fotos von der Speicherkarte gezogen?
  • Ist mein Akku aufgeladen bzw. habe ich genug Ersatzakkus?
  • Ist es notwendig, Fotofilter mitzunehmen?

3. Sichere Kamera oder Kameraversicherung?

Zu guter Letzt sollte sich jeder Reisefotograf oder fotografischer Hobby-Reisender fragen, ob er eine Kameraversicherung abschließen sollte. Für meine kleine, vier Jahre alte Canon ist es wohl zu spät. Doch, wenn ich mir jetzt eine neue Kamera kaufte – falls irgendwann das Geld zusammenkommt – schlösse ich wohl immer eine entsprechende Versicherung ab. Nicht nur bei Diebstahl, sondern auch wenn die Kamera einmal herunterfällt, bekommt man dann nämlich etwas Geld zurück. Ein schwacher Trost, verglichen mit dem sentimentalen Wert, aber ein guter Start, um sich ein neues Schmuckstück leisten zu können und um neue Erinnerungen zu sammeln.

7 Comments Add yours

  1. mmandarin says:

    deine Fotos sind große Klasse, am besten gefällt mir die Münchner Libelle, so tolle Farben – gut eingefangen

    1. A vida louca says:

      Vielen Dank. Das Kompliment kann ich nur zurückgeben.

  2. natuurfreak says:

    Mooie foto’s en bedankt voor al de tips over veiligheid

  3. Enjoyed my visit here. Thanks visit my blog.

    1. A vida louca says:

      Thanks a lot. I enjoyed your blog, too.

  4. ChgoJohn says:

    Wonderful photography. I look forward to seeing more.

    1. A vida louca says:

      Thanks a lot for feedback. Great to hear that you liked them. I always try to improve my skills, in writing and photography. 🙂

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