Infiziert mit dem Reisefieber?

Kennt ihr auch dieses Gefühl, wenn euch nur beim Anblick einer Reisewebseite schon die Knie zittern? Jedes Last-Minute-Angebot bei euch Schnappatmung verursacht und ihr am liebsten sofort den nächsten Flug in den Süden buchen würdet?

Dann ist eure letzte Reise, euer letzter Auslandsaufenthalt wohl schon viel zu lange her. Oder ihr seid einfach – genauso wie ich – mit dem Reisefieber infiziert. Ein gefährlicher Wegbegleiter, der einen zu fernen Orten begleitet und nie wieder loslässt.

Vogel_Pantanal
Vogel im Pantanal

Gerade in der Hauptsaison macht uns dieser kleine Bazillus das Leben besonders schwer. Denn zwar können sich die meisten unter uns – mit einem normalen Angestelltengehalt – einen oder gar zwei kleinere oder größere Urlaube pro Jahr leisten. Doch das ist für viele stressgeplagte Reise-Fetischisten nicht genug, um ihre Fernweh auszuleben oder um all die so genannten Sehnsuchtsziele zu erkunden. Jene Ziele, die uns Webportale wie Expedia, Tropo oder 123 Fly als die “Must-Seen” oder “Top 100 Reiseziele” verkaufen. Und das natürlich rund um die Uhr. Ob als E-Mail, in der Fernsehwerbung oder als Pop-Ups im Internet – Reiseangebote locken in der heißen Jahreszeit immer und überall. Natürlich reicht es nun auch nicht mehr aus, nur von Last Minute zu sprechen. Es muss jetzt Ultra Last Minute zu extrem niedrigen Preisen sein.

Indien_Kind
Ein indischer Junge – Stadtimpressionen aus Hyderabad

Zig Reiseblogs schließen sich diesem Tenor an und veröffentlichen eine Checkliste nach der anderen. Checklisten, wie man seinen Koffer am besten und effizientesten packt. Checklisten zur Gefahrenprävention. Checklisten über den perfekten Strandurlaub. Checklisten für Individualreisende und eben Checklisten der Top 20 Touristenspots und Sehenswürdigkeiten weltweit. Bei all diesen Checklisten kann man sich auch schnell einmal verchecken. Denn, was die meisten Urlauber bei all der Informationsflut verpassen, ist es, auf sich selbst zu hören. Man muss nicht alles überplanen oder sich den Stress machen, möglichst viele Länder zu besuchen, nur weil sie auf einer Top – irgendetwas – Liste stehen. Vielmehr sollte man bei der eigenen Reiseplanung auf sein Herz hören oder – wie es so manche Rucksacktouristen vorgemacht haben – dorthin gehen, wo die Füße einen hintragen.

Ich selbst träume schon lange davon, einmal mit meinem Rucksack auf dem Rücken und meinem Herzen voller Neugierde durch Südamerika zu reisen. Aber die News, Reiseberichte und Erzählungen Einheimischer haben mich wahrscheinlich so negativ beeinflusst, dass ich bislang von solch einem Trip abgesehen habe. Die Frage ist nur, ob ich dieses, mein Abenteuer-Gen diesbezüglich langfristig unterdrücken kann. Oder sollte ich lieber auf Nummer sicher gehen und die scheinbar so sicheren Sightseeing-Hotspots zuerst erkunden? Wo – dank der ständigen Polizeipräsenz – nur jeder fünfte Taschendieb erfolgreich ist und nur hin und wieder eine Bombe hochgeht?

2 Comments Add yours

  1. Jim Kopf says:

    Wie Recht du hast, ist man erst einmal von einem potenziellen Reiseziel infiziert, ist es schwer davon loszukommen.. Und dann? Am besten so viel informieren wie es geht um eventuellen Gefahren vorzubeugen oder einfach los mit dem Rucksack in der Hoffnung dass alles gut geht? Schwer zu sagen, aber ich denke je mehr man sich vorher schlau macht, desto weniger breitet sich die Faszination aus wenn man tatsächlich da sein sollte 🙂

    1. M.W. says:

      Ich stimme dir voll zu. Faszination wächst immer mit dem Unbekannten und es wäre schade, wenn diese schon vor der Reise verloren ginge. Kolumbus und alle anderen Schiffsreisenden wussten ja oftmals auch nicht, wo sie ankommen werden oder ob alles gut geht. Eine interessante und zugleich ein wenig ängstigende Vorstellung 🙂

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