Immer wieder Brasilien…

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Vor nicht einmal zwei Wochen bestieg ich die Maschine, die mir den Weg in einen neues Leben bescheren sollte. Von Berlin flog ich über Madrid nach Rio de Janeiro. Ganze 15 Stunden befand ich mich in dem stählernen Vogel, darauf wartend, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Ich mag das Fliegen, nein, ich liebe es sogar, aber irgendwie war es dieses Mal anders. Denn ich wusste, dass dieser Flug ein Abschied auf unbestimmte Zeit sein würde. Aus meiner Heimat, von meiner Familie und auch von allem Vertrauten. Viele Fragen schwebten mir durch den Kopf und hielten mich bereits Tage vor meiner Abreise vom Schlafen ab. Es schien, als sei mein Körper so aufgeregt, als würde er alle natürlichen Bedürfnisse verdrängen. Sogar mein sonst so ausgeprägtes Schlafbedürfnis. Und jetzt, da ich im Flugzeug saß, hatte ich nur noch ein Ziel: das Brasilianische Festland zu betreten und alle Zweifel loszuwerden, sie einfach von mir abschütteln und nie mehr zurückzublicken. Und dann war es endlich soweit. Ich entstieg dem riesigen Vogel, der uns sicher, aber doch zuweilen sehr turbulent zum Antônio Carlos Jobim International Airport in Rio de Janeiro gebracht hatte.

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Eine Wolke aus Dunst und brütender Hitze strömte mir bereits im Gateway entgegen. Etwas Anderes hätte ich von der Millionenstadt auch nicht erwartet. Wie eine Dunstglocke setzt sich die heiße Luft fast das gesamte Jahr über in Rio fest und macht es Urlaubern zuweilen sehr schwer, auch nur einen Schritt zu gehen, ohne die ersten Schweißperlen auf der Stirn zu spüren. Nach einem kurzen Wärmeschock – schließlich kam ich aus dem -5°C kalten Deutschland – reihte ich mich die lange Schlange der Polícia Federal ein, die meine Dokumente und mein Visum kontrollierten. Da ich als Tourist einreiste, brauchte ich nichts weiter als meinen Reisepass und die ausgefüllte Cartão de Entrada ⁄ Saída vorzulegen. Dieses Dokument erhält jeder Reisende, ob Brasilianer oder nicht, auf dem Flug. Es muss mit Flugnummer, Reiseziel und weiteren Reisedaten versehen werden. Ich selbst habe bei meinen vier Flügen nach Brasilien noch nie erlebt, dass jemand Probleme mit diesem Dokument hatte. Vielmehr schauen es sich viele Polizisten nicht einmal an. Nach nicht einmal einer Minute hatte ich meinen Einreisestempel im Pass. Nun wurde es also ernst. Und schon wieder kamen Zweifel auf: Sind meine beiden Koffer sicher angekommen? Habe ich alle Dokumente beisammen, um beim Cartório de Registro in Juiz de Fora meinen dauerhaften Aufenthalt beantragen zu können? Und ist mein Freund auch am Flughafen, um mich abzuholen? Er war da. Und wie.

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Kaum hatte ich die Wartehalle des Flughafens betreten, stürzten er und ein Bekannter von uns, ein eingefleischter Carioca, mir entgegen. Mein Freund drückte mich fest an sich und überhäufte mich mit Küssen. Schließlich hatten wir uns mehr als vier Monate nicht gesehen. Und dann kam die große Überraschung. Irgendwie hatte ich es bereits geahnt, vielleicht sogar befürchtet. Er sank am Flughafen vor mir auf die Knie und machte mir vor Duzenden Augenpaaren einen Heiratsantrag. Nach 15 Stunden Flug, komplett übermüdet und verschwitzt, wusste ich erst gar nicht, was ich sagen sollte. Nun ja, wir wollten in Brasilien sowieso heiraten, damit ich dort bleiben darf. Dafür waren auch die vielen mitgeführten Dokumente für die Polícia Militar gedacht. Denn es gibt nur sehr wenige Wege, um eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in dem südamerikanischen Land zu bekommen. Und so sagte ich “Ja”. Nach mehr als drei Jahren Ultra-Fernbeziehung, wie ich sie gern bezeichnete, war das wohl der passende, hollywoodreife Ausgang und auch der Beginn meiner sechstägigen Rio-Reise. Von da aus geht es dann in meine neue Heimat Juiz de Fora im Bundesstaat Minas Gerais. In den nächsten Wochen werde ich noch weitere brasilianische Städte, unter anderem Belo Horizonte und São João del Rei zur Karnevalszeit. Mein erster Karneval in Brasilien. Natürlich werde ich davon berichten!

11 Comments Add yours

  1. kinder unlimited says:

    ich bin ja soooooooooo gespannt…und herzlichen Glückwunsch….wunder dich mal nicht, wenn es Deine Geschichte eines Tages in Hollywood gibt 😉

    1. A vida louca says:

      Es gibt doch aber so viele andere, wundervolle Geschichten auf dieser Erde. Da ist meine nur eine von vielen 🙂

      1. kinder unlimited says:

        ja….es ist ja auch unwichtig….Hauptsache, Du bist glücklich!!!!!

      2. A vida louca says:

        Das stimmt 🙂

  2. Jim Kopf says:

    oh yes, was für ein traumhafter Start in ein neues Leben! Ganz herzlichen Glückwunsch an dich, ich wünsche dir, dass es genau so fantastisch weitergeht! Brasilien… ich bewundere deinen Mut, diesen Abschnitt wirklich und tatsächlich gestartet zu haben! 🙂
    Liebe Grüße,
    Jim

    1. A vida louca says:

      Das stimmt allerdings. Danke für die lieben Worte. Ich hoffe und wünsche mir natürlich auch, dass nun alles gut wird und ich die kommenden Schwierigkeiten meistern kann. Schließlich ist es nie leicht, in einem fremden Land dauerhaft zu wohnen.

      Liebe Grüße, Maria

  3. quiall says:

    Thank you for following my blog.

  4. Peter says:

    Dankeschön fürs Folgen!

  5. Herzlichen Glückwunsch! 🙂

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